Sonnenuhren: Zeitmesser seit 5000 Jahren
Die Sonnenuhr ist nicht nur die älteste Form der Zeitmessung in der Geschichte der Menschheit. Sie ist überhaupt eines der ersten „Geräte“ der Menschheit, also ein Ding, mit dem etwas bewirkt werden kann: Sie macht den Lauf der Sonne sichtbar und ermöglicht es, ihn in feste Zeitabschnitte zu unterteilen. Tag und Nacht, Jahreszeiten und Mondphasen als regelmäßige Naturerscheinungen waren schon den ersten Menschen vertraut. Eine Unterteilung des Tages in kleinere Zeitabschnitte aber war für sie nicht nötig. Noch um 500 vor Christus, so der römische Historiker Plinius der Jüngere, sei der Tag in Rom lediglich in „Morgen“ und „Abend“ eingeteilt gewesen. Allerdings gab es zu dieser Zeit schon seit mehreren Tausend Jahren Uhren, die mittels eines Schattenwurfs den Tag einteilen konnten. Wie sich die Sonnenuhren im Lauf der Geschichte entwickelt haben, zeigt die folgende Bildergalerie.
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Ein einfacher Stab, der einen Schatten wirft, ist die älteste Form der Sonnenuhr. Der „Schattenstab“ oder „Gnomon“, wie er auf Griechisch heißt, war zugleich ein astronomisches Gerät. Denn Zeitmessung war nur eine Aufgabe. Jahreszeitliche Bestimmungen und Entfernungsmessungen wurden im antiken Griechenland, aber auch in China, ebenfalls mit diesem ersten „Uhrzeiger“ vorgenommen.
Um 1500 vor Christus lassen sich Sonnenuhren in Ägypten nachweisen. Sie bestanden zum Beispiel aus einer ca. 30 Zentimeter langen Leiste mit kleinem Aufsatz an einem Ende („Ellensonnenuhr“). Anhand der Markierungen auf der Leiste und dem an ihnen entlangwandernden Schatten konnte man die Tageszeit ablesen.
Wie die Ellensonnenuhr gehört auch die antike Treppensonnenuhr zu den „Streiflichtuhren“.
Nach einer Beschreibung aus der Bibel aus der Mitte des achten Jahrhunderts v. Chr. wurde so eine Uhr rekonstruiert: Auf einer Doppeltreppenanlage wandert der Schatten morgens die Treppen hinunter, auf der anderen ab mittags wieder hinauf.
Schon in der Antike war aufgefallen, dass sich der Schattenendpunkt auf einer ebenen Fläche nicht gleichmäßig schnell bewegt. Um die verschiedenen Geschwindigkeiten auszugleichen, entwickelte man „Hohlkörpersonnenuhren“. Die gebogenen Flächen ließen den Schattenlauf gleichmäßig erscheinen.
Ein großer Teil des antiken Wissens über Sonnenuhren ging mit dem Ende des alten Rom verloren. Erst einige Jahrhunderte später waren es die christlichen Klöster, die wieder einfache Sonnenuhren nutzten, um die Gebetszeiten anzuzeigen. Diese Uhren waren aber lange nicht so genau wie die durchdachten Varianten der Antike.
Als tragbare Sonnenuhren gelten die „Säulensonnenuhren“: An einem Zylinder, den man senkrecht hält, ist ein Schattenstab angebracht, den man um die Achse des Zylinders drehen kann. Senkrecht laufen Datumslinien, quer dazu in Bögen die Stundenlinien. Der Endpunkt des Schattens zeigt den Zeitpunkt an. Dieses Sonnenuhrprinzip gibt es seit dem 11. Jahrhundert n. Chr.
Mit der „Neuentwicklung“ komplizierterer Sonnenuhren in der Renaissance wurde auch ihr Aussehen aufwendiger. Bunte Farben und leuchtendes Metall gehörten dazu. An Höfen gab es zur Belustigung des Adels auch Sonnenuhren, bei denen der gebündelte Sonnenstrahl zu einer bestimmten Zeit eine kleine Schießpulverexplosion auslöste.
Als Taschenuhr gab es seit der Renaissance besonders kleine Sonnenuhren, die man auch gut auf Reisen mit sich führen konnte. An den Ringen stellte man die geografische Breite seines Aufenthaltsortes ein. Diese „Ringsonnenuhr“ lässt sich flach zusammenfalten.
Auch als nach dem Mittelalter mechanische Uhren entwickelt worden waren, verloren Sonnenuhren nicht an Bedeutung. Denn sie dienten als verlässliche Norm zur Einstellung der Zeit auf den mechanischen Uhren. Zwölf Uhr ist auf der Sonnenuhr eben verlässlich immer zwölf Uhr. Erst um 1800 begannen mechanische Uhren die Sonnenuhren zu verdrängen.
Trotzdem hat die Sonnenuhr bis heute Bedeutung behalten. Weniger als Zeitmesser, aber oft als hübscher Bauschmuck mit Symbolgehalt: Seht, wie die Zeit läuft. Ganz neu errichtet wurde zum Beispiel die rund 3000 Quadratmeter große „Horizontalsonnenuhr“ mit ihrem 8,50 Meter hohen Edelstahl-Obelisken auf der ehemaligen Kohlenhalde Hoheward bei Recklinghausen im Ruhrgebiet.
Fotos: Titelgrafik - Wikipedia/Joachim Baecker; Tragbare Sonnenuhren - Wikipedia; Taschenuhr - Wikipedia/Joachim Baecker; Uhr in roter Wand - Wikipedia/Analemma; Obelisk - Wikipedia/ T. Bachner

